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Übertragungskapazität

Die Übertragungskapazität und die Datenschnittstellen von Richtfunkgeräten sind — historisch gewachsen — an die Standards der Telekommunikationstechnik angepasst. Im Hinblick auf die Übertragungskapazität werden Richtfunkgeräte immer noch nach dem verwendeten Multiplexverfahren unterschieden

· PDH (Plesiochrone Digital Hirarchie)
· SDH (Synchrone Digitale Hirarchie)

Inzwischen gilt diese Unterteilung weitestgehend als überholt. Heute kann der Anwender die funkseitige Übertragungskapazität meist durch Umschaltung von HF-Bandbreite und Modulationsverfahren per Softwareeinstellungen (in gewissen Grenzen) beliebig skalieren.

Auf der Leitungsseite stehen verschiedene Interfaces von n x E1 bis STM1 oder Ethernet mit unterschiedlicher Geschwindigkeit zur Verfügung, die dem funkseitigen, proprietären Basisband über ein digitales Koppelfeld per Mausklick frei zugeordnet werden können.

Das Spektrum der möglichen Übertragungskapazität von Richtfunkgeräten mit PDH- oder Ethernet-Datenschnittstellen reicht von 8 bis 1000 Mbit/s. Die aktuellen Entwicklungen der Industrie bieten auch gemischte Übertragungssysteme mit Ethernet- und E1-Schnittstellen an. Durch adaptive Modulation kann die Ethernet-Übertragungskapazität den sich ändernden Übertragungsbedingungen dynamisch angepasst werden.

Die mit Richtfunk erreichbare maximale Übertragungsrate beträgt theoretisch 20 x STM1 auf einem Antennensystem. Solche Anlagen sind auf Grund der erforderlichen Filter und Weichen sehr aufwendig und nur als Indoor-System realisierbar. In der Praxis dürften in Mitteleuropa solche Jumbokonfigurationen nicht nur an den Kosten, sondern vor allem an fehlenden freien Frequenzen scheitern.

In bestimmten Frequenzbändern stehen RF-Kanäle mit 55, 56 oder 59,3 MHz Bandbreite zur Verfügung. Auf einem solchen Kanal können auch mit Splittingsystemen 2 x STM1 übertragen werden. Mit XPIC sind sogar 4 x STM1 möglich. Im Weitverkehrsrichtfunk werden mit derartig „überbreiten“ Frequenzkanälen die verschiedenen Schwunderscheinungen allerdings kaum noch beherrschbar — zumal mit wachsender Bandbreite auch das Eigenrauschen der Empfänger steigt. Aus diesen Gründen dürfte sich die von der Bundesnetzagentur für den unteren 6-GHz-Frequenzbereich vorgeschriebene Mindestentfernung von 20 km im CCDP-Betrieb mit 59,3 MHz Bandbreite nur im Ausnahmefall realisieren lassen.

 

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Zwei Richtfunksysteme können mit XPIC 2 x 155 Mbit/s
auf einer Antenne übertragen (NEC)
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Diese beiden gekoppelten Richtfunksysteme übertragen mit XPIC fast 1 Gbit/s Ethernet auf einer Antenne (SIAE)

Mit der schrittweisen Umrüstung auch der 2G- und 3G-Mobilfunk-Basisstationen auf Full-IP verlieren klassische TDM-Schnittstellen allerdings immer mehr an Bedeutung. Die Entwicklung geht bei den Richtfunksystemen zu reiner Ethernet-Übertragung. Mit Blick auf den künftigen Mobilfunkstandard 5G wachsen allerdings die erforderlichen Übertragungskapazitäten enorm. Für die Überbrückung kurzer Entfernungen stellt die Richtfunk-Industrie dafür Multiband-Systeme zur Verfügung.

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